Julia Hödl

Fragt sich, ob sie ihr nächstes Praktikum bei dem YouTube-Channel DRUGSLAB absolvieren soll.

Typisch Julia: Schmeißt sich in der Winterzeit Vitamin D ein, dass es knallt.
jh244@hdm-stuttgart.de

Viel Spaß beim Lesen !!!

Rausch oder Therapie

Warum LSD und Zauberpilze für die Wissenschaft interessant sind


Beitragsbild Julia Hödl: Zauberpilze

Psilocybin: Der Wirkstoff von Zauberpilzen ruft ebenfalls Halluzinationen hervor.

Der Rausch liegt uns im Blut. Schon unsere Urahnen trafen sich zu Orgien mit Völlerei, Tanz und Rendezvous. Feten sind ein fester Bestandteil unserer Kultur. Und Drogen sind dabei ein treuer Begleiter. Sie sind Mittel zu tiefen Erfahrungen mit sich selbst, werden zum Entspannen und für spaßige Stunden konsumiert, können jedoch in Horrortrips enden. Aber auch in der Medizin finden sie ihre Verwendung. Psychiater erforschen, ob Psychedelika wie LSD und Zauberpilze psychische Erkrankungen abschwächen oder sogar heilen können – mit verblüffenden Ergebnissen.

Feature Text: Julia Hödl  

„Es ist dein erster Trip. Die Zauberpilze konsumierst du in einem Hotelzimmer und das Zeug haut richtig rein. Du fühlst es. Alles und jeder um dich herum wird immer seltsamer und deine Reise scheint sich in eine andere Welt zu begeben. Du hast visuelle Wahrnehmungen, die es in der Realität nicht gibt. Die Wand des Hotelzimmers ist mit einer Mustertapete versehen. Du siehst die Formen auf der Tapete, wie sie anfangen zu tanzen und zu leuchten. Mehrere Minuten lang stehst du vor der Tapete und starrst sie an. Dir kommt das wie ein Bruchteil einer Endlosigkeit vor. Du fühlst dich verstrahlt. Du bist elektrisiert. Wie ein Alien, das nicht auf die Erde gehört. Du findest einfach alles unglaublich phantastisch. Du bist auf einem Trip.“
– Interview mit Alex R. über seine Erfahrungen mit Zauberpilzen

Was Psychedelika sind

Psychedelika sind psychoaktive Substanzen, die Halluzinationen auslösen können. Deshalb sind sie pharmakologisch den Halluzinogenen zugeordnet. Sie bewirken einen psychedelischen Rauschzustand, den sogenannten Trip. Die gesamte Wahrnehmung wird dabei verändert. Verschiedene Arten von Sinnestäuschungen, Trugbilder und Phantasiegebilde werden ausgelöst. Zeit- und Raumgefühl verändern sich. Das kann so heftig sein, dass man Farben schmecken und Töne fühlen kann. Verzerrungen, optische Schauspiele und verrückte Wahrnehmungen, deren Erscheinung komische, manchmal auch schmerzliche Trips oder Lachflashs hervorrufen können, sind typisch für diese Drogen.

Psychoaktive Substanzen wirken bei jedem Menschen auf unterschiedliche Weise. Interessanterweise geht dabei das Bewusstsein, dass man sich auf einem Trip befindet, in der Regel nicht verloren. Egal wie intensiv der Trip ist.

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Warum wir halluzinieren

LSD und die Zauberpilze sind beides halluzinogene Psychedelika. Davon gibt es zwei Arten. Die einen kommen in der Natur vor, die anderen werden synthetisch hergestellt. In der Natur findet man sie in Pflanzen wie zum Beispiel in bestimmten Pilzen. Auch ein paar Kröten sondern Sekrete ab, die halluzinieren lassen. Künstlich hergestellte Psychedelika wie LSD gibt es erst seit fast 80 Jahren. Doch warum werden manche Reize wahrgenommen und andere nicht mehr? Warum erscheinen normale Dinge entartet und gebrechlich?
Die Sinneseindrücke und das Denken verlaufen nicht mehr logisch, sondern assoziativ. Durch die Veränderung der Assoziationen können innere Erlebnisse hervorgerufen werden, die bis zu lebensverändernden Einsichten und spirituellen Erleuchtungen reichen. Da beide Drogen auf das Bewusstsein wirken, können sie einen Rausch hervorrufen, der verdrängte oder unterbewusste Erfahrungen wieder an die Oberfläche bringt. Das kommt daher, weil die Drogen den Filter im Gehirn aufheben, der vor einer Reizüberflutung schützt. Reize gelangen so ungefiltert ins Gehirn.

Deshalb verschmilzt das innere Bewusstsein mit der Umwelt. Viele Konsumenten sprechen von einer Einheitserfahrungen. Der britische Schriftsteller Aldous Huxley beschreibt zum Beispiel in seinem Buch „Die Pforten der Wahrnehmung“, wie er durch den Konsum von LSD ein tieferes Verständnis von sich Selbst und dem Kosmos erreicht habe.

„Dein zweiter Trip ist deutlich eindrucksvoller. Es haut dich komplett raus, es scheppert viel heftiger. Du fühlst dich dumpf wie in einem Film - einem Stummfilm. Mit deinen Freunden bist du draußen in der Natur. Ihr seid immer in Grüppchen zusammen. Zwei sitzen am See, zwei auf der Wiese und zwei an einen Baum gelehnt. Es ist alles sehr idyllisch. Wie Kinder kommt ihr euch vor und so verhaltet ihr euch auch. Ihr albert und quatscht miteinander rum, tobt euch ein bisschen aus. Ab und zu lacht ihr unkontrolliert los. Jeder ist auf die Natur konzentriert und fühlt sich, als sei er Eins mit ihr.“
– Alex R.

Es passiert schnell, sich in der Welt der Drogen zu verlieren. Die Traumwelten, zu denen die Drogen einem die Tore öffnen, fühlen sich an wie große, warme Decken, in die man sich an einem kalten Wintertag flüchten kann. Allerdings kann keiner einschätzen, wohin die Reise des Rausches führt, wie intensiv der Trip ist und ob positive oder negative Erfahrungen an die Oberfläche kommen.

Die Kehrseite der Medaille : Horrortrips

Einige Konsumenten erleben schreckliche Erfahrungen mit dem Rausch. Im schlimmsten Fall lösen Psychedelika selbstzerstörerisches Verhalten aus. Höhenflüge, inklusiv der festen Überzeugung fahrende Autos zum Stehen zu bringen, sind ein Paradebeispiel dafür.
Ob ein Trip in Glück oder Horror endet, entscheidet oft die Umgebung und Situation, in der konsumiert wird. Wer trotz unruhigem inneren Seelenleben LSD nimmt, läuft Risiko, einem Horrortrip ausgeliefert zu sein. Realität und Trip können nicht mehr voneinander unterschieden werden. Das verstärkt den Teufelskreis und kann heftige Zustände der Verwirrung, Panik und Angst auslösen. Bei entsprechender Veranlagung können die Psychosen und Wahnvorstellung auch dauerhaft bleiben. Für Menschen ohne Veranlagung dauern psychische Nachwirkungen meist nicht lange an.

„Nach vier bis fünf Stunden, wenn du noch immer auf dem Trip bist, die Wirkung schon etwas abgeklungen hat, geht ihr essen. Dazu rauchst du noch einen Joint, zischst ein Bier und kommst auf dein Leben nicht mehr klar, so zufrieden bist du. Du fühlst dich wie auf einer Wolke, als wäre alles in deinem Leben in ein klares Licht gerückt worden. Du hast dich noch nie so gut gefühlt.“
– Alex R.

Psychedelika als neue Heilmittel

Wir schwelgen im Rausch, überqueren Grenzen und empfinden Gutes dabei. Ist das normal? Mehr als wir glauben. Ist es erlaubt? Weniger als wir denken.
Das versucht die Wissenschaft seit mehreren Jahren zu ändern. Das Interesse an dem medizinischen Potential von LSD und Zauberpilzen in der Psychotherapie steigt. Weil Psychedelika ähnliche Wahrnehmungsveränderungen wie die Krankheit Schizophrenie auslösen, können Wissenschaftler durch die Drogen ein tieferes Verständnis für die psychische Störung erlangen. Doch nicht nur das, aktuelle Studien geben bedeutende Hinweise darauf, dass Halluzinogene Ängste und Depressionen lindern können.
Mit Hilfe eines Bildgebungsverfahren haben Wissenschaftler herausgefunden, wie sich Psilocybin, der Wirkstoff der Zauberpilze, auf das Gehirn auswirkt. Es sieht so aus, als würde der Wirkstoff einen Zugang zum Unterbewusstsein herstellen. Die Verbindung zu den Reizen der externen Umwelt weitet sich aus und unsere Wahrnehmung wird schrankenloser. Der Filter bricht weg.

Gehirn

Wie sich Halluzinogene
auf das Hirn auswirken.
Siehe unten.

Am King’s College in London wurde erforscht, dass Hirnregionen, die normalerweise nicht miteinander kommunizieren unter der Wirkung von Psilocybin eine höhere Vernetzung aufzeigen. Wahrnehmungsbereiche werden also miteinander verbunden und verstärken den Effekt noch weiter.

Dem Tod entspannter ins Auge blicken

Die Psychedelische Therapie kann so festgefahrenen Denkmuster bearbeiten. Auf diese Weise lassen sich Depressionen, Süchte und Ängste heilen. Der Patient kann tiefe Einblicke in sich selbst gewinnen. Verdrängte Traumata und akute Belastungen werden zugänglich gemacht. In Verbindung mit einer Psychotherapie soll so aus einer anderen Perspektive an sie herangetreten werden.

Zwei Studien zeigen, wie Psilocybin zusammen mit psychotherapeutischen Gesprächen bei Krebspatienten im Endstadium Depressionen und Angstzustände lindern kann – sogar besser als konventionelle Medikamente. Auch mit LSD funktioniert das. Der Psychiater Peter Gasser bekam 2007 eine Ausnahmegenehmigung und durfte erforschen, wie mit LSD die Psychotherapie unterstützt werden kann. 12 Krebspatienten im Endstadium behandelte er mit Hilfe von LSD gegen ihre starken Angstzustände angesichts des Todes. Mit Erfolg. Gasser holte die Debatte über Psychedelika damit aus der Schmuddelecke in die Gesellschaft und Wissenschaft. Es gibt immer mehr Studien. Aktuell wird zum Beispiel an der University of Arizona und der University of New Mexico die Wirkung von Psilocybin auf Zwangsstörungen und Alkoholismus untersucht.

„Seit Stunden treibst du dich nun in einer Traumwelt rum. Du spürst, wie die Wirkung langsam nachlässt und du von deinem Trip runterkommst. Hast ein bisschen Schiss davor, was jetzt auf dich zu kommt. Um dich zu beruhigen, denkst du an eine Passage aus dem Buch des Neurologen und Psychonauten Oliver Sacks: ‚Jeder Akt der Wahrnehmung ist zu einem gewissen Grad ein Akt der Erschaffung und jede Form von Erinnerung ist bis zu einem gewissen Grad nur Vorstellung.‘“
– Alex R.

Jede Droge birgt Gefahren. LSD macht wie Zauberpilze auch körperlich nicht abhängig. Aber der Körper gewöhnt sich schnell daran, was die Gefahr einer Dosiserhöhung mit sich bringt. Die einzig vernünftige und verantwortungsvolle Lösung wäre Abstinenz. Doch die Mehrheit entscheidet sich für den Rausch. Deshalb ist Aufklärung so wichtig. Verbote bringen nicht viel zu Stande. Forschung sollte unterstützt werden, nicht untersagt. Denn LSD und Psilocybin sind in der Psychotherapie ein interessantes Instrument. Immer mehr Vorteile der bewusstseinsverändernden Drogen kommen durch die Forschung ans Licht. Es klingt so aussichtsreich, aber bis die medizinische Anwendung legal wird, liegt noch ein weiter Weg vor uns.

Wie sich Halluzinogene auf das Gehirn auswirken

Wahrgenommene Sinnesreize erreichen zu erst den Thalamus. Von dort aus passieren sie in einer Regelschleife die Großhirnrinde und das Stirnhirn, um dann wieder beim Thalamus anzukommen.
Der Thalamus hat eine Filterfunktion, die die Reize filtert, die zum Großhirn aufsteigen. Halluzinogene setzen genau dort an und stören diese Filterfunktion. So kommt es, dass interne und externe Informationen nicht getrennt werden. Auch uns unbewusste Inhalte steigen ungebremst in die Großhirnrinde auf. So entsteht die Reizüberflutung, Visionen und Halluzinationen.
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Also, ist Realität nun eine Illusion? Nur, wenn wir sie zu einer machen. Nur, wenn wir einem einzigen Weg, einer einzigen Linie, einer einzigen Einstellung folgen. Oft genug stehen wir in einem Wald voller Probleme und wissen nicht wohin. Und wer weiß, möglicherweise können wir ja einen Pfad entdecken, wenn wir anfangen, nicht nur in eine Richtung zu schauen; wenn wir der Absurdität unseres Alltags antworten – mit noch größerem Unsinn.