Raphael Thiel

Fragt sich wann Boston Dynamics endlich die Kontrolle über ihre Roboter verliert.

Typisch Rapha: Glatze und ein gesundes Level an Paranoia.
rt018@hdm-stuttgart.de

Viel Spaß beim Lesen !!!

Von Stahlwüsten hin zum

Tannhauser Gate

Was soll die Suche im Unbekannten?


Beitragsbild Raphael Thiel: Weltall

Aries No. 5 Araxis Solar System

Die 70er, Renaissance cinematographischer Freiheit in Science Fiction. Die gereifte sexuelle Revolution und psychedelische Drogen manifestieren sich in transzendenten Meisterwerken unendlich kreativer Energie. “Prätentiöser Gockel” schallt es aus dem Nebenzimmer. Die 70er Jahre, der Tiefpunkt ernstzunehmender Zukunfts-Fiktion, billige Produktionen von idiotischen Auswüchsen ungewaschener Hippies. Der Mainstream feiert vorverdaute Oberflächlichkeiten im farbigen Gewand mit vor Erregug schaumendem Mund und wertet diese Degenerierung als “Arthouse”. “Was ist mit Uhrwerk Orange?” beschwert sich jemand am Tisch gegenüber.

Für viele Fans des Genres eine endlose Debatte, über jede Epoche des Genres, ohne Gewinner. Doch wie schon Isaac Asimov, einer der bedeutendsten Sci-Fi Authoren wusste:“The true delight is in the finding out rather than in the knowing.”

Essay Text: Raphael Thiel  

Worum geht es überhaupt?

Sei es in der Tiefe des Alls oder in den röhrenden Weiten einer Megacity, in Science-Fiction suchen wir schon seit Mary Shelleys “Frankenstein” Antworten auf die Frage “was wäre wenn?”. Einmal verloren in den Weiten der kreativen Freiheit des Genres fand kaum ein künstlerischer Geist wieder seinen Weg zurück. Wie in einem Tiefenrausch bespielen sie uns mit Visionen von unendlicher Schönheit und dem Horror der im Mysterium der kommenden Zeit zu lauern scheint.

Die Kontroverse über das Genre in den 70er Jahren initiierte der chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky und sein nie verfilmtes Meisterwerk “Dune”. Im Westen bekannt durch die experimentellen Filme “El Topo” und “Montana Sacra” versammelt er visionäre Künstler wie Jean Giraud, H.R. Giger und Chris Foss. Gemeinsam kreieren sie ein über tausendseitiges Manifest. Ein Manifest welches jeden in Hollywood angedachten Science-Fiction-Film in den kommenden Jahrzehnten grundlegend beeinflussen sollte.

Der französiche Zeichner Jean Giraud sorgt für das Freie und teils Absurde, er vereint Farben und organische Formen zu einer Harmonie aus Wahn und Liebe zum Natürlichen. Dieser Hang zu allem was wächst, wendet er auf das eigentlich sonst kalte Erscheinungsbild von Städten und Fahrzeugen an. Inhaltlich weiss er selbst nicht welchen Fragen er nachgeht. Oft unter spiritueller Leitung von Alejandro Jodorowsky findet er sein Material in der Welt der Träume und moralisch fragwürdigen Riten. Den Gegenpol hierzu setzt der Schweizer Hans Rudolf Giger. Mit seinen Horrorvisionen aus Stahl, gepaart mit seinem Verständnis von Erotik und Paranoia, schafft er nie gesehene Visionen von Finsternis und Angst.

Ob der Einfluss ein guter war, bezweifeln viele Literaturfans des Genres. Die Kritik lässt sich mit Aussagen wie “Es fühlt sich an als ob der Regisseur sein Geschlechtsteil in meinem Mund ablegt und für die nächsten 90 Minuten nicht mehr herausnimmt” recht gut zusammenfassen. Anstatt die gewohnte Spaltung zwischen billigen Abenteuergeschichten und wissenschaftlich fundierter Fiktion gab es nun etwas Neues. Es ging es nicht mehr um die Frage “was wäre wenn”, sondern erzeugte beim Publikum eher die Frage “was?”

Wenig währt ewig

“All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, wie...Tränen im Regen. Zeit zu sterben.” Sagt Roy Batty im Kultfilm “Bladerunner”, und er behält Recht. Der Film “Alien” beendet am Ende der 70er Jahre den Trend weitgehend. “Alien” verändert was Filmgänger von Science-Fiction erwarteten. Genau wie später John Carpenter’s “The Thing” setzte der Film sich mit der Angst auseinander. ”Was wäre wenn...” wir nicht allein sind in den unendlichen Weiten des Alls? Und was ist wenn das nicht unbedingt etwas Gutes ist? Gefangen in klaustrophobischen Gängen, ummantelt von Schichten aus blankem Stahl versuchen wir uns vor dem zu schützen, was dort draussen Lauert. Mit animalischem Trieb, wachsend in uns fremde Formen, hockt es im Dunkeln und wartet auf einen Moment der Schwäche, in dem es uns holen kommt.

„The true delight is in the finding out rather than in the knowing."
– Isaac Asimov –

Die Erforschung von Furcht in den 80er Jahren endet nicht mit der Urangst vor der unkontrollierbaren Bestie. Ridley Scott bringt uns mit seinem Meilenstein “Bladerunner” eines der bis heute beliebtesten Subgenres von Science Fiction, “Cyberpunk”. Die Ästhetik, inspiriert vom Tokyo der 80er Jahre spielt das Genre mit Szenarien in denen die dystopische Zukunft von Megakonzernen oder totalitären Regierungen beherrscht wird. Die Geschichten spielen meist im Regen und Dreck der dadurch entstehenden Unterklasse mit Zugang zu futuristischer Technologie. Von synth-drogenabhängigen Cyborgs geflogene Taxis und mechanische Prostituierte begleiten uns durch die menschlichen Abgründe dieser Zukunft. Philosophisch paart sich das Genre mit der Frage was uns menschlich macht.

Ab welchem Grad der Maschinisierung hören wir auf Menschen zu sein? Ab welchem Grad von Menschlichkeit wird eine Maschine zur Person? So wie sich Bladerunner mit dem menschlichen Kern auseinandersetzt, scheint dieser sich gleichzeitig in der Filmlandschaft zu manifestieren. Nach und nach hat der Mainstream genug von anstrengender Science-Fiction. Die Sehnsucht nach guter Unterhaltung und einem Happy-End macht “Robocop”, “Terminator” und “Predator” zum Hit. Die Frage “was wäre wenn..” bleibt meist unbeantwortet.

Kultureller Wandel

“Als eine eigenständige Lebensform bitte ich um politisches Asyl” Bittet die Künstliche Intelligenz “Puppet-Master” aus “Ghost in the Shell” und die Welt empfängt sie mit offenen Armen.Während der Westen von Asien inspiriert bleibt, wächst dort Ende der 80er Jahre etwas Neues heran. Mit unzähligen Animationsfilmen holt Japan den Westen qualitativ, spätestens mit Katsuhiro Otomo’s Cyberpunk Meilenstein “Akira”, ein. Der ferne Osten zieht die Welt mit seinen Visionen und Interpretationen der Thematik in seinen Bann. Die von asiatischen Comics geprägte Ästhetik trifft auf den philosophischen Tiefgang des Ostens. Feinste und realistische Animationen einer mechanischen Welt und ihren Einwohnern. Riesige Roboter gepaart mit menschlicher Anatomie werden vom menschlichen Willen in den sicheren Tod getrieben. Dampf, Schläuche und der Drang zur Erfüllung eines höheren Ziels treiben die Charaktere. Dank der Offenheit zu Experimenten finden philosophische Konzepte, wie der Fatalismus, ein Zuhause in dem sie mit melancholischer Schönheit ihr Potential entfalten können. Als Gegenpol zur westlichen Entwicklung dient hier die Geschichte nicht der Unterhaltung, sondern Unterhaltung dient zur Vermittlung einer Geschichte. Die Suche nach der Frage „was wäre wenn..“ erblüht erneut, diesmal jedoch in der Form eines Lotus.

Am Ende des Tages ist Science Fiction wie eine halb verweste Coloradokröte. Nutzlos, oft abstoßend und höchstens unterhaltsam für die Meisten. Für wenige jedoch birgt es wundervolle Erfahrungen während Freunde aktiv anzweifeln es eine gute Idee war das Thema überhaupt anzusprechen.

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Seitdem hat sich das Genre natürlich weiterentwickelt: neue Technik bringt mehr Möglichkeiten und die nächste Generation immer ihr eigenes Paket an Ideen und Probleme welches sie verarbeiten möchte. Die fremden Welten sind nicht immer im Auge der Öffentlichkeit, freuen sich jedoch über jeden Geist der ihnen zumindest für ein Weilchen innewohnen möchte und mit ihnen die Frage “Was wäre wenn?” erkundet.