Laura Eberhardt
Fragt sich, ob sie eigentlich in einer digitalen Scheinwelt lebt.
Typisch Laura: Träumt gerne mal vor sich hin.
le027@hdm-stuttgart.de
Viel Spaß beim Lesen !!!
Lebst du in einer digitalen Scheinwelt?
Social Media und das Gemälde der eigenen Wirklichkeit
Das eigene Ich vor dem sich auflösenden Spiegel der digitalen Scheinwelt.
Wer hat heutzutage nicht damit zu tun? Social Media ist ein Bestandteil unseres Lebens geworden. Gerade in den letzten Jahren gewinnen soziale Netzwerke immer stärker an Bedeutung. Laut einer Umfrage wuchsen die aktiven Nutzer von Social Media zwischen September 2017 und Oktober 2018 um 320 Millionen an (DataReportal, 2018).Die Plattformen ermöglichen es uns, in Kontakt mit Freunden zu bleiben, eigene Beiträge zu posten oder uns unterhalten zu lassen. Aber der Umgang mit sozialen Netzwerken kann auch darin resultieren, dass sich Menschen digitale Scheinwelten aufbauen. Durch die Möglichkeiten der Selbstinszenierung, aber auch der Konfrontation mit Inhalten anderer werden wir beeinflusst. Das hat Konsequenzen für die Konstruktion unserer eigenen Wirklichkeit.
Kommentar Text: Laura Eberhardti
Wir konstruieren unsere eigene Wirklichkeit
Nicht nur Erfahrungen, Einstellungen oder Werte nehmen Einfluss auf uns und unsere Wahrnehmung der Welt, sondern auch die Nutzung von Social Media.Zum einen stehen uns dort die Möglichkeiten offen, eigene Profile, Inhalte und Scheinwelten zu kreieren, mit denen wir eine Wirkung auf andere erzielen können. Zum anderen werden wir selbst durch die Beiträge und Profile von Nutzern in der Konstruktion unserer Wirklichkeit beeinflusst.
Die Selbstdarstellung
In sozialen Netzwerken hat jeder die Möglichkeit zu entscheiden, welche Informationen er mit wem teilt, welche Inhalte er für sein Profil auswählt oder ob er sogar lügt, um ein anderes Bild von sich selbst entstehen zu lassen. Durch Filter, Bildbearbeitungsprogramme und Texte hat man die Kontrolle über die Wirkung seines Profils auf andere. Man kann die objektive Wirklichkeit verzerren und das eigene perfekte ich oder eine Scheinwelt kreieren. Auf der einen Seite bietet uns das die Möglichkeit, Kreativität auszudrücken und künstlerisch zu werden. Poetische Texte oder professionell bearbeitete Bilder eröffnen uns neue Sichtweisen und können unseren Alltag bereichern. Andererseits werden Social Media Profile
auch dafür genutzt, mit anderen in Kontakt zu bleiben und dem eigenen Leben Ausdruck zu verleihen. Oft werden dabei Bilder aus dem privaten Alltag präsentiert, doch diese zeigen nur Momentaufnahmen von unzähligen eines Tages. Die Inhalte, die wir auf Internetprofilen posten, können niemals decken, was eine Persönlichkeit tatsächlich ausmacht.
Meiner Meinung nach kann darin eine gewisse Gefahr verborgen liegen. Viele inszenieren ihr Leben auf den Plattformen nach perfekten Maßstäben und erschaffen sich mit ihren Profilen eine Idealvorstellung des eigenes Lebens, eine sogenannte digitale Traumwelt.
Eine ähnliche Meinung vertritt auch die Cyberpsychologin Catarina Katzer, die in einem Interview mit der „Welt“ über das Verhalten von Menschen im Netz gesprochen hat. Dabei äußerte sie beispielsweise in Bezug auf die Profile vieler User: „[…]Das ist oft eine sehr geschönte Version des eigenen Ichs. […] Das hat auch mit unserer Realität zu tun, die oft nicht so strahlend schön und simpel ist. Wir wünschen sie uns aber so. Im Netz haben wir die Möglichkeit, sie uns so zu schaffen, da haben wir anders als im wahren Leben Kontrolle über unsere Selbstdarstellung.“ (Katzer, 2016)
Likes zeigen uns, dass sich andere für das Bild interessieren, dass wir von uns selbst kreieren und decken unseren natürlichen Drang nach Bestätigung und Aufmerksamkeit durch andere. Was zum einen ein angenehmes Gefühl hervorrufen kann, löst andererseits auch Druck aus. Der Ansporn ist gegeben, stetig steigende Likezahlen zu erreichen. Wer mehr Likes bekommt, ist beliebter, schöner und perfekter. Das ist die Vermutung, die in uns hervorgerufen wird, wenn ein eigener Beitrag weniger Zuspruch erhält.
Als Nutzer von Social Media müssen wir uns bewusst darüber sein, dass wir mit unseren Profilen auch Einfluss auf andere haben können. Wir sind die Künstler, die ihre selbstgeschaffenen Gemälde in großen Ausstellungshallen anderen präsentieren. Diese Gemälde werden gesehen und hinterlassen eine Wirkung. Genauso wie die Profile anderer Nutzer auch eine Wirkung auf uns haben können.
Der Einfluss von anderen
Heutzutage gibt es immer mehr große Stars, die ihre beliebten Social Media Profile auf Instagram, Snapchat oder YouTube führen. Sie wollen ihre eigene Wirklichkeit zum Ausdruck bringen, Aufmerksamkeit bekommen, berühmter werden. Aber nicht nur Stars, immer mehr Menschen wollen sogenannte Influencer werden. Dafür inszenieren sie ihren Charakter und ihr Leben in sozialen Netzwerken. Manche nehmen sogar an TV Sendungen teil, nur um nach ihrem dortigen Besuch als große Internetstars durchzustarten.
Influencer posten Bilder und Videos über ihr Leben oder sprechen mit ihren Fans in Livestreams, um diesen „ganz besonders nahe“ zu sein. Aber wie weit kann diese Nähe gehen?
Wie bereits erwähnt, kann ein Social Media Profil niemals decken, was eine Persönlichkeit tatsächlich ausmacht. Auch nicht bei einem internationalem Superstar. Wenn dieser sein Leben auf Bildern offenbart, mit Fitness, gesundem Essen, perfekter Szenerie und Schönheit, dann werden viele Menschen nicht verstehen, dass das Leben des Stars nicht immer den geposteten Beiträgen entspricht. Auch die großen Influencer kreieren durch die Inhalte, die sie posten ein ganzes bestimmtes Traumbild von sich selbst. Das Problem dabei ist der Einfluss, den diese Beiträge auf uns haben können. Sie vermitteln ein scheinbar perfektes Ideal, dem es unmöglich zu entsprechen ist, weil es gar nicht existiert. Es ist nur eine konstruierte Traumvorstellung. Wie Erfahrungen können diese Beiträge dann einen Einfluss darauf nehmen, wie wir unsere subjektive Wirklichkeit konstruieren.
Wir müssen uns an dieser Stelle deshalb die Frage stellen, inwieweit wir uns beeinflussen lassen wollen und durch welche Inhalte. Nicht alles, das uns auf Social Media begegnet, muss immer schlechte Auswirkungen auf uns haben. Inhalte können auch dazu führen, dass wir unsere Sichtweisen erweitern und somit auch unsere eigene Wirklichkeit.
Social Media kann Bereicherung aber auch Schaden für uns darstellen. Wir müssen die Inhalte reflektieren, die uns dort begegnen. Wir müssen hinterfragen, welchen Beiträgen wir glauben wollen und welchen nicht. Und wir müssen selbst entscheiden, von wem oder was wir uns beeinflussen lassen wollen.
Es ist wichtig für einen jeden Nutzer zu verstehen, welchen Einfluss Scheinwelten in sozialen Netzwerken auf uns haben und wie wir damit umgehen können. Also seid euch stets darüber bewusst: Eure Wirklichkeit ist subjektiv und ihr könnt Einfluss darauf haben, wie sie konstruiert wird.
